Roman Brodmann Preis
Das Haus des Dokumentarfilms vergibt seit 2022 jährlich eine Auszeichnung für ein herausragendes Werk des politisch-investigativen und gesellschaftlich relevanten Dokumentarfilms. Diese ist mit 10.000 € dotiert. Die Ausschreibung erfolgt jeweils Anfang November über diese Website. Die feierliche Preisverleihung findet jeweils in den Wochen nach Ostern in Berlin statt.
Der Preis ist nach dem Journalisten und Regisseur Roman Brodmann (1920-1990) benannt, der für das Fernsehen (ARD) zeitkritische Dokumentarfilme wie „Der Polizeistaatsbesuch“, „Die Misswahl“ oder „Der Traum vom Schlachten der heiligsten Kuh“ gedreht hat.
Der Preisverleihung zeitlich vorgelagert ist am gleichen Tag ein medienpolitisches Roman Brodmann Kolloquium. Bei diesem diskutieren Branchenmitglieder, Medienfachleute und Vertreter:innen aus Politik und Verbänden die Bedingungen zeitkritischer Dokumentarfilme im Fernsehen, auf non-linearen Plattformen und bei Streaming-Portalen.
Preisträgerin 2026:
Hélène Lam Trong für INSIDE GAZA
Im prämierten Dokumentarfilm INSIDE GAZA (ARTE France) beleuchtet Regisseurin Hélène Lam Trong die Erfahrungen eines Reporterteams der Agentur France Presse (AFP), das seit Beginn des Gaza-Kriegs im Palästinensergebiet festsaß. Erst im Februar 2024 konnten die sieben Journalist:innen ausreisen. Bis dahin dokumentieren sie das Leid der Zivilbevölkerung unter schwersten Bedingungen. Gleichzeitig erleben sie, dass die von ihnen gemachten Aufnahmen von westlichen Medien in Frage gestellt werden und von pro-israelischen Lobbygruppen als gefälscht diffamiert werden.
„In einer eindringlichen Montage erzählt der Dokumentarfilm nicht nur das Drama, die einzigen Zeug:innen einer erschütternden Brutalität zu sein – einer Welt, die unter Bomben zerbricht, in der Freund:innen, Kolleg:innen und Familienangehörige sterben. Er erzählt auch von der Erschöpfung und Einsamkeit von Reporter:innen sowie von ihrem unbeirrbaren Willen, weiter zu berichten und ihrer journalistischen Aufgabe gerecht zu werden.“
Auszug aus der Laudatio
Preisträgerin 2025:
Martina Priessner für DIE MÖLLNER BRIEFE
Martina Priessner ist ein beeindruckendes Erinnerungsprojekt gelungen. Erinnerung an den rechtsextremistischen Brandanschlag in Mölln 1992. Ziel waren zwei Häuser, in denen türkischstämmige Familien lebten. Die Täter verantworten den Tod von drei Menschen und schwere Verletzungen von neun weiteren. Regisseurin Martina Priessner fokussiert sich auf die Perspektive der Opfer und Geschädigten.
„Betroffenen, die jeweils an unterschiedlichen Punkten ihrer immer noch andauernden Traumabewältigung stehen. Ganz bewusst verzichtet Priessner dabei auf überspitzte Dramatisierungen und Emotionalisierungen, die im Medienbetrieb unserer Zeit oft genug für unverzichtbar gehalten werden. Stattdessen wird [in ihrem Film] sichtbar, dass ein besonders intensives Vertrauensverhältnis zwischen Filmteam und Protagonist:innen entstanden ist, das auf leise Töne und Nuancen setzt, um die Geschichte gerade dadurch umso eindrücklicher erzählen zu können.“
Auszug aus der Laudatio
Preisträgerin 2024:
Farahnaz Sharifi für MY STOLEN PLANET
„MY STOLEN PLANET ist persönlich, politisch und poetisch – Farahnaz Sharifi gelingt eine einzigartige ästhetische Kombination von Bilder-Montage, sprachlicher Erzählung und Musik. Es entsteht ein Resonanzraum, der eine große Trauer vermittelt und dem Publikum gleichzeitig erschreckende Erkenntnis sowie tiefe emotionale Beteiligung ermöglicht.“
Auszug aus der Laudatio
Preisträgerin 2023:
Steffi Niederzoll für SIEBEN WINTER IN TEHERAN
„SIEBEN WINTER IN TEHERAN ist ein Film, der heraussticht. Auch, weil er nicht gedreht hätte werden dürfen. Weil das repressive System, das er sichtbar macht und anklagt, nicht gesehen werden will. Steffi Niederzoll erzählt darin mit überwältigend starken wie leisen Tönen das Schicksal der mit 19 Jahren zu Tode verurteilten Iranerin Reyhaneh Jabbari. […] Sie umfasst sieben Jahre – die Zeit, die Reyhaneh in Haft verbrachte und in der ihre Familie vergeblich versuchte, ihre Hinrichtung zu verhindern.“
Auszug aus der Laudatio
Preisträgerin 2022:
Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski für DAS HAMLET SYNDROM
In „Das Hamlet-Syndrom“ konfrontieren sich fünf Frauen und Männer in einer Theaterinszenierung in Kyiv mit den teils traumatischen Gewalterfahrungen der „Generation Maidan“. Der Dokumentarfilm wurde kurz vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine fertiggestellt und ist heute aktueller denn je.
Veranstaltung des HDF in Zusammenarbeit mit der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund und ARTE.