Meisterklassen & Workshops

Die Meisterklassen vom Haus des Dokumentarfilms (HDF) geben Einblick in Werk und Arbeitsweise renommierter Filmschaffender. Zu Gast waren bisher Marcus Vetter, Rosa von Praunheim, Marcel Ophüls, Fred Breinersdorfer, Andres Veiel, Sherry Hormann und Florian Oeller, Aelrun Goette, Daniel Harrich, Gabriela Sperl und Stephan Lamby.

Das Haus des Dokumentarfilms hat für seine diesjährige Meisterklasse die Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Doris Dörrie nach Stuttgart eingeladen. Einen Tag lang gibt uns eine der erfolgreichsten Erzählerinnen des deutschen Kinos Einblick in ihr Werk und ihre einzigartige Karriere.

Regisseurin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin – Doris Dörries professionelle Palette schillert in vielen Farben. Sie hat Spiel- und Dokumentarfilme gedreht, hat Opern inszeniert, ist vielfach ausgezeichnet und Professorin an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF). Von sich selbst sagt sie, sie mache sich zwar immer einen Plan, wenn sie ein Projekt – ob Film oder Buch – beginne, halte sich dann aber nie daran. Bezeichnet sich als einen unruhigen Geist. Sie ist eine Geschichtenerzählerin par excellence, die geistvoll sinnstiftende Unruhe verbreitet.

Aufgewachsen in Hannover, wo man bekanntlich das „reinste Deutsch“ spricht – ein Kompliment wohlgemerkt –, zog es sie in die Welt – nach Kalifornien, nach New York, in den letzten Jahren immer wieder nach Japan, das für sie zu einem Sehnsuchts- und Zufluchtsort geworden ist. Nach dem großen Erfolg ihres Films KIRSCHBLÜTEN  HANAMI von 2007 drehte sie dort 2014 auch die Fortsetzung GRÜSSE AUS FUKUSHIMA, bevor diese Japan-Trilogie 2019 mit dem Gespensterfilm KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN abgeschlossen wurde. München dagegen, wo sie lebt, markiert so etwas wie die internationale Provinz in ihrem Leben: down to earth, was nicht ‚in der Welt‘ meint. 

In ihren ersten Dokumentarfilmen, beide 1976 noch im Studium an der HFF entstanden, widmet sie sich – gleichsam bekenntnishaft – dem Kino: KINOS IN DER PROVINZ ist ein aufmerksam bewahrender Blick ins städtische Hinterland und in OB’S STÜRMT ODER SCHNEIT porträtiert sie eine Kinobetreiberin in der bayerischen Provinz. Ihr erster Langspielfilm MITTEN INS HERZ von 1983 schafft den Sprung von einer TV-Produktion auf die Filmfestspiele in Venedig und Hof und mit Erfolg ins Kino. IM INNERN DES WALS, 1985 entstanden, weist bereits viele Aspekte auf, die die meisten ihrer weiteren Arbeiten auszeichnen: Ein Roadmovie mit einer vitalen Hauptfigur auf der Suche nach Erkenntnissen und dem Platz im Leben, von changierenden familiären und freundschaftlichen Verstrickungen begleitet und kontrastiert. hr Überraschungserfolg MÄNNER, ebenfalls aus dem Jahr 1985, konnte über die konkreten Figuren hinaus als ebenso präziser wie provozierender Kommentar auf die sich verändernden, gesellschaftlichen Rollenbilder der Geschlechter zu Beginn der achtziger Jahre verstanden werden. Mit diesem zunächst ebenfalls als TV-Produktion geplanten Kinofilm wurde Dörrie schlagartig als Künstlerpersönlichkeit berühmt, gelangte in Talkshows und auf den Titel des „Spiegels“.

Doris Dörrie bei der TeleVisionale 2024 in Baden-Baden

Keine Selbstbespiegelungen, nicht in ihren Filmen, nicht in ihren Erzählungen, nicht in sich selbst. Sie wahrt einen kühlen Abstand zu ihren Protagonist:innen, hat eine spürbare Sympathie für die Unvollkommenheit aller ihrer Figuren. Nimmt ihnen aber nie, und seien sie in ihrer Gestalt und Ausgestaltung noch so verbogen oder schräg oder exaltiert, noch so verloren oder unstet oder gar fehl am Platz, ein ‚Air von Würde‘, um eine Formulierung Heinrich Heines ihr und ihren Figuren zuzuweisen.

Offensichtlich autobiografisch gefärbt sind die von Doris Dörrie in ihren Drehbüchern wie in ihrer schriftstellerischen Prosa entworfenen Charaktere meistens von einer nervösen Unruhe befallen oder durch äußere Umstände dazu gezwungen, in Bewegung zu bleiben bzw. sich auf Reisen zu begeben. Dabei beschreibt sie Orte und Menschen so dokumentarisch-präzise, dass diese konstitutive Elemente für die jeweilige fiktionale Handlung sind und für ein hohes Maß an Authentizität sorgen. 

In den letzten 20 Jahren inszenierte Doris Dörrie immer wieder aber auch reine dokumentarische Filme wie HOW TO COOK YOUR LIFE (2007) oder DIESES SCHÖNE SCHEISSLEBEN (2014), die ganz von der individuellen Bestimmung und Aura der jeweils Porträtierten getragen sind. Ob Meisterkoch oder Folkloremusikerin – die Intensität, mit der sich die Protagonist:innen vor Dörries Kamera zu ihren Leidenschaften bekennen, erinnern an die schicksalshaften Entscheidungsnöte, die ihre erfundenen Figuren durchschütteln. 

„Was machen wir jetzt?“ ist der Titel eines ihrer Romane. Jenseits der dort erzählten Geschichte könnte eine, vielleicht Dörries Antwort lauten: Ich erinnere mich. Oder: Wir erinnern uns. Und erzählen eine Geschichte, die hier und heute spielt, von ‚Liebe, Schmerz und diesem verdammten Zeug‘ handelt, die kein Meisterwerk sein muss, aber eine Geschichte von Menschen, am besten von Menschenfreunden, denn Feinde, menschliche und menschelnde, gibt es eh genug.

Darum und um vieles mehr geht es in der HDF-Meisterklasse 2026. Wir freuen uns auf den Austausch mit dem vielfach preisgekrönten Multitalent Doris Dörrie. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Deshalb jetzt anmelden!

Meisterklasse mit 2025

Er ist immer ganz nahe am aktuellen politischen Geschehen: Stephan Lamby ist bekannt für seine Interviews, in denen Bundespolitiker:innen preisgeben, was sie gegenüber anderen vor der Kamera nicht erzählen. Am 26. Februar 2025 war der preisgekrönte Filmemacher Gast der Meisterklasse vom Haus des Dokumentarfilms.

Seit 25 Jahren bildet Lamby mit seinen ARD-Dokumentationen die Entwicklungen der deutschen Politik ab. Es geht um die Organisation von Macht in all ihren Formen. Von SCHAÜBLES FALL (2000) zu MERKELS MACHT (2008) über STEINBRÜCKS BLICK IN DEN ABGRUND (2010) angesichts der Bankenkrise und 2017 zurück zu den SCHWARZEN KASSEN DES HELMUT KOHL. 2018 protokollierte er IM LABYRINTH DER MACHT die langwierigen Verhandlungen bis zur Regierungsbildung der ‚Großen Koalition‘ und porträtierte die ersten Jahre der sogenannten Ampelkoalition als ERNSTFALL – REGIEREN AM LIMT (2023).

Für seine Porträts und Langzeitbeobachtungen wurde der Journalist, Regisseur, Autor und Produzent vielfach ausgezeichnet, darunter zwei Mal mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und dem STERN-Preis. In der HDF-Meisterklasse gab er Einblick in seine Arbeitsweise, erläuterte, was gute Interviews für ihn mit Jazz zu tun haben und teilte Einsichten aus seinem jüngsten Film DIE VERTRAUENSFRAGE – WER KANN DEUTSCHLAND REGIEREN? (2025).

Workshops

In unregelmäßigen Abständen veranstaltet das HDF zudem Workshops (online oder in Präsenz) mit Filmschaffenden und Branchenvertreter:innen.

Zuletzt gewährte die renommierte Archive Researcherin Monika Preischl Einblicke in die Arbeit mit Archivmaterial im Film. Ihr Workshop (23./24.05.2024) im rbb Haus des Rundfunks war wie ihre beiden vorherigen Veranstaltungen (6./7.10.2022) bei uns komplett ausgebucht. Im Sommer 2022 waren zudem Melanie und Jan Haft zu Gast im HDF (22.7.2022). Ihre Naturdokus erfreuen sich im Fernsehen und Kino großer Beliebtheit. Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit NaturVision Ludwigsburg statt. 

Rückblick 2022–2024

Monika Preischl gehört zu den erfolgreichsten deutschen Archive Researchern. Die Bildfinderin hat bei fiktionalen und dokumentarischen Produktionen für Kino, Fernsehen und Streaming-Portale mitgewirkt, darunter „Beuys“, „Kulenkampffs Schuhe“, „Wirecard. Die Milliarden-Lüge“ und „Gladbeck: Das Geiseldrama“. In den digitalen Workshop-Tagen wurden von ihr alle relevanten Aspekte angesprochen – von der Planung, Entwicklung, Erschließung, Verarbeitung bis zur Dokumentation von Archivmaterial, dazu die Rechteklärung und Lizenzierung.

Jan und Melanie Haft zählen zu den wichtigsten deutschen Natur- und Tierfilmern. Zusammen realisierten sie große Kinofilme wie „Das grüne Wunder – Unser Wald“ (2012), „Magie der Moore“ (2015), „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ (2019) und „Heimat Natur“ (2020), die erfolgreich im deutschen Kino liefen. Außerdem entstanden rund 70 Natur- und Tierfilme für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Im Workshop am 22. Juli 2022 haben sie die stilistischen, dramaturgischen, aber auch ökonomischen Unterschiede ihrer Produktionen herausgearbeitet.

Veranstaltung vom Haus des Dokumentarfilms in Kooperation mit NaturVision Ludwigsburg

Über die nächsten Veranstaltungen dieser Art informieren wir Sie rechtzeitig auf dieser Webseite, über unsere Social-Media-Kanäle (FacebookInstagramTwitter) und in unserem kostenlosen Newsletter.