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Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland

Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland

Unter Federführung des Hauses des Dokumentarfilms wurde in den vergangenen Jahren die Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland zwischen 1895 und 1945 erarbeitet. Ein Dutzend Filmwissenschaftler und Archivare sowie rund 40 externe Autoren arbeiteten hierbei erstmals die umfassende Dokumentarfilmgeschichte auf.

Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Ergebnisse sind in einer aufwändigen dreibändigen Publikation erschienen

(Oktober 2005, Reclam Verlag 198.- €, ISBN 3-15-030031-2).

 

Band 1: Kaiserreich (1895-1918), Hrsg. von Uli Jung u. Martin Loiperdinger
Band 2: Weimarer Republik (1918-1933), Hrsg. von Klaus Kreimeier, Antje Ehmann u. Jeanpaul Goergen
Band 3: "Drittes Reich" (1933-1945), Hrsg. von Peter Zimmermann u. Kay Hoffmann

 

In der Weimarer Republik differenzieren sich die nichtfiktionalen Genres aus: Der Kulturfilm bringt unterhaltsame Belehrung in die Kinos, für Schulen und Hochschulen werden Lehrfilme hergestellt, die filmische Avantgarde entwickelt erste theoretische Konzepte zum Dokumentarfilm.

Im "Dritten Reich" ist neben der ideologischen Funktion von Wochenschau und Filmpropaganda eine stilistisch variantenreiche Praxis dokumentarischer Filme zu beobachten, die ein breites Themenspektrum abdeckt.

Die lexikalischen Teile der drei Bände erfassen ca. 100 Biografien wichtiger Filmschaffender und über 2.500 Filmtitel, die zum großen Teil in ausführlicher Form auch in einer gesonderten Datenbank auf der Homepage des HDF recherchierbar sind. Etwa 800 Abbildungen, die vielfach den Filmkopien entstammen, veranschaulichen die Ästhetik der behandelten Filme.

Die drei Bände eröffnen den interessierten Lesern erstmals einen Zugang zu einem weitgehend in Vergessenheit geratenen Teil der deutschen Filmgeschichte und bieten Grundlagen und Perspektiven für die Film- und Medienwissenschaft ebenso wie für die Zeitgeschichtsforschung. Darüber hinaus erschließen sie auch der Darstellung dieser Zeit in Publizistik, Film und Fernsehen eine Fülle neuer Quellen und Einblicke.

 

Kaiserreich Band 1 »Kaiserreich (1895 – 1918)«

Im Kaiserreich überrascht eine breite Palette von Aktualitäten, Reise-, Industrie- und Werbefilmen sowie von Propagandafilmen im Ersten Weltkrieg: Überlieferung und Forschungsstand | ›Lebende Photographien‹ – Bildautomaten und Kinematographen vor 1900 | ›Optische Berichterstattung‹ – Nachrichten und Propaganda in Varietés und Wanderkinos | Naturbilder‹ – Nummernprogramme in Kinematographen-Theatern | Von der ›Ansicht‹ zum dokumentarischen Genre | Filme für Lehre und Bildung | ›Kilometerfilme‹ – Umbrüche durch Einführung des Langfilms | Front- und Heimatbilder im Ersten Weltkrieg | Nicht-fiktionale Filmaufnahmen aus dem Kaiserreich in Kompilationsfilmen und Fernsehsendungen | Bibliografie | Filmografie.

   
Weimarer Republik

Band 2 »Weimarer Republik (1918-1933)«

In der Weimarer Republik differenzieren sich die nichtfiktionalen Genres aus: Der Kulturfilm bringt unterhaltsame Belehrung in die Kinos, für Schulen und Hochschulen werden Lehrfilme hergestellt, die filmische Avantgarde experimentiert mit dokumentarischen Formen und entwirft erste theoretische Konzepte zum Dokumentarfilm: Forschung und gesellschaftlicher Kontext | Ursprünge und Entwicklungen dokumentarischer Genres nach 1918 | Kulturfilm- Genres | Kulturfilm und Filmkultur | Dokumentarischer Film und Modernisierung | Grenzgänger | Ausdifferenzierungen: politisch – ästhetisch | Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte: Von der Wiederkehr der Schwarzweißbilder im Farbfernsehen | Bibliografie | Filmografie.
   
Drittes Reich Band 3 »Drittes Reich (1933-1945)«

Im »Dritten Reich« ist neben der ideologischen Funktion von Wochenschau und Filmpropaganda eine stilistisch variantenreiche Praxis dokumentarischer Filme zu beobachten, die die Genrekonventionen der Weimarer Republik fortsetzt und ein breites Themenspektrum abdeckt: Publizistik und Forschung | Entwicklung und Lenkung der Filmproduktion | Kulturfilm und Wochenschau im Kino | Industrielle Modernisierung, Mobilisierung und Medialisierung im Film | Deutschlandbilder zwischen Tradition und ›neuer Zeit‹ | Fremde Länder – Fremde Völker | Lehr- und Unterrichtsfilme | Propagandafilme der NSDAP | Visuelle Aufrüstung im Zeichen des Zweiten Weltkriegs | ›Sinfonie des Krieges‹ - Die DEUTSCHE WOCHENSCHAU | ›Auferstanden aus Ruinen‹. Zur Wirkungsgeschichte von Kulturfilm und Wochenschau nach 1945 | Bibliografie | Filmografie | Kurzbiografien.

Informationen als pdf-Datei (164 kB) zum Downloaden und Ausdrucken.

 

Pressestimmen:

"The definitive work on the subject. This work is a must-read for everyone interested in German film, the history of mass media and the history of modern Germany. This three-part history of documentary film in Germany is a monumental undertaking and a remarkable accomplishment."
Sabine Hake, H-Net Reviews (USA)

"Monumental wäre zu wenig. Monströs zu viel. ... Einen bisher weitgehend blinden Fleck der historischen Filmwissenschaft aufgetan und aufgerissen zu haben, darin besteht der grundlegende Verdienst dieser 'Projektmaschine'. Was von der Fülle an empirischen Fakten, methodischen Perspektiven und meta-theoretischen Exkursen in die Film-Geschichte eingehen wird, darüber möge die Praxis der Disziplinen entscheiden."
Barbara Wurm, Kolik 3/2006 (Österreich)

„Ein Standardwerk, kein Zweifel. ... 2037 Seiten in drei voluminösen Bänden, die – reich illustriert – versuchen, keinen noch so entlegenen Winkel des dokumentarischen Films in Deutschland bis 1945 unausgeleuchtet zu lassen.“
Ulrich Kriest, film-dienst 22/2006

„Jeder von ihnen ist nicht nur Fachfrau oder Fachmann, sondern blickt auch über den Tellerrand dessen hinaus, was sie oder er zu servieren hat. Der Zusammenhang gerät kaum einmal aus dem Blick. Hinzu kommt eine für wissenschaftliche Spezialisten und Koryphäen nicht gerade übliche Lesbarkeit der wie auch immer unterschiedlichen Besonderheiten, die von strenger, ja rigoroser Sachlichkeit bis zur Süffisanz und Polemik reichen. Man kann in diesem Monumentalwerk tatsächlich lesen – und sich festlesen.“
Peter W. Jansen, Filmbulletin 8.06

„Das Dokumentarische wird darin beileibe nicht als feststehende Qualität beschreiben, sondern als Produkt eines vielfachen und andauernden Perspektivenwechsels. Filmstil, publizistische Intention und politische Positionen verändern sich, Ästhetisches und Weltanschauliches werden immer wieder neu verhandelt.“
Madeleine Bernstorff, taz 22.8.2006

„Neben der Dokumentation der Geschichte eines Genres, in dem sich stärker als im Spielfilm die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der zeit spiegeln, legt das Werk ein Hauptaugenmerk aus dessen Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte.“
Lutz Gräfe, Kölner Stadtanzeiger 4.2.2006

„Hier ist erstmals ein Fundus aus den Archiven im Einzelnen namhaft gemacht, der permanent für TV-Dokumentationen der deutschen Geschichte ‚angezapft’ wird. Vielleicht wird es irgendwann einmal soweit sein, dass das in Dokumentarfilmbildern bewahrte visuelle Gedächtnis ins Bewusstsein kultureller Überlieferung rückt und nicht mehr nach geläufiger Praxis der Fernseharchive als Illustrationsmaterial ausgeschlachtet wird.“
Jörg Becker, Ray Mai/2006

„Die Bände bieten dem filmhistorisch bis heute virulenten Klischee überzeugend Paroli, dass der dokumentarische Film – außer zu NS-Zeiten – ein randständiges Dasein geführt habe und beim Kinopublikum, das fiktionale Spielfilme favorisiert habe, unbeliebt gewesen sei. Speziell das Genre des Reisefilms erfreute sich zeitloser Popularität, was sich bis in aktuelle Fernsehformate hinein feststellen lässt. Selbst der belehrende Film war nicht nur ein blutleerer Favorit verknöcherter Kinoreformer der Kaiserzeit, sondern war insbesondere ab Mitte der 1920er Jahre aus Erfolgskurs.“
Corinna Müller, www.hsozkult.geschichte.hu-berlin.de

„Andererseits befreit dieses Buch den deutschen Dokumentarfilm von der Last, am faschistischen Gefolgschaftsgeist in besonderem Maße mitschuldig zu sein. Peter Zimmermann arbeitet überzeugend heraus, wie das Konzept der Moderne auch in der NS-Zeit weiterwirkte und ähnlich wie im Italien unter Mussolini wegen immer wieder eingeforderter ‚Lebensnähe’ Ansätze zum Neorealismus erkennbar wurden.“
Hans-Jörg Rother, Der Tagesspiegel 10.8.2006

„Die bisherige Filmgeschichtsschreibung hat es sich oft zu leicht gemacht und mit der Gleichschaltungsthese gleich den gesamten Dokumentarfilmbereich als direkte Propaganda sehen wollen. So präsentiert der bisher abschließende Band den dokumentarischen Film im Dritten Reich vielfältiger, widersprüchlicher und in weiten Teilen weniger propagandistisch als gemeinhin angenommen.“
Josef Schnell, Deutschlandfunk 19.12.2005

„Eine Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland war ein Desiderat. Und es bedurfte des Zusammenwirkens verschiedener Institutionen und Personen, um erfolgreich zu sein.“
Hans Helmut Prinzler, Filmgeschichte 20

„Den vielleicht größten Erkenntnisgewinn präsentiert gleich der erste, von den Trierer Medienwissenschaftlern Uli Jung und Martin Loiperdinger nicht nur herausgegebene, sondern auch in beträchtlichem Maße selbst geschriebene Band zum frühen Dokumentarfilm vor 1918. Eindrücklich vermögen sie zu zeigen, wie brüchig sich das traditionelle Begriffs- und Zeitraster bei genauerer Betrachtung erweist: Was heißt schon 'Dokumentarfilm' in einer Zeit, in der es noch gar keine 'Spielfilme' gab, sondern ein "Kino der Attraktionen" (I, 32), in dem das bloße 'Zeigen' des Abgebildeten im Vordergrund stand, nicht das mehr oder minder fantasievolle Erzählen und schon gar nicht das deutende Erklären?“
Konrad Dussel, www.sehepunkte.de

„Dass hier Pionierarbeit geleistet wurde, zeigt schon der einleitende Forschungsbericht von J. Goergen. Er führt die zahlreichen Arbeiten zu ausgewählten Dokumentarfilmern, zu Produktionsfirmen und institutionellen Verbänden sowie zu einzelnen Film-Genres erstmals zusammen, diskutiert sie vor dem Hintergrund der Filmtheorien in der Nachkriegszeit und benennt die bis heute bestehenden Forschungslücken.“
Dorit Müller, Medienwissenschaft 2/2006

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