[slow] [medium] [fast]
[slow] [medium] [fast]
trans WEBCounter by GOWEB

 

Band 17: Reiner Ziegler:KUNST UND ARCHITEKTUR IM KULTURFILM 1919 - 1945.

Band 17

Reiner Ziegler:
Kunst und Architektur im Kulturfilm 1919 - 1945.

400 Seiten, br.
28,00 EUR (D)


Ausgehend von der Behauptung mehrerer Medienwissenschaftler, dass der deutsche Film nach 1933 generell und damit auch der Kulturfilm der Jahre 1933 bis 1945 insgesamt propagandistisch gewesen sei, untersucht die Publikation die Frage, ob das tatsächlich der Fall war oder ob der Kulturfilm vielleicht sogar eine Nische künstlerischen Schaffens - geschützt vor dem Zugriff nationalsozialistischer Ideologie - darstellte.

Im Vergleich mit entsprechenden Filmen aus der Zeit der Weimarer Republik wird am Beispiel der Themenkomplexe Bildende Kunst und Künstler, Bauprojekte und kulturpolitische Maßnahmen des NS-Regimes, wie die Grundsteinlegung für das Haus der Deutschen Kunst in München oder die dort gezeigten Großen Deutschen Kunstausstellungen, die Frage nach inhaltlichen und formalen Verschiebungen im Kulturfilm der Jahre 1933 bis 1945 untersucht.

In Anbetracht des hohen Stellenwerts, den nationalsozialistische Funktionsträger der Bildenden Kunst in ihren Reden bereits 1933 beimaßen, stellte sich einerseits die Frage, ob mit der Machtübernahme 1933 tatsächlich auch ein radikaler Bruch mit Themen und Erscheinungsformen des Kulturfilms der Weimarer Republik zu beobachten war. Die Auseinandersetzungen innerhalb der NSDAP in kulturellen Fragen legten andererseits die Vermutung nahe, dass sich auch im Kulturfilm mindestens bis zur Klärung dieser Frage im Jahre 1937 kein einheitliches Bild "wahrer" deutscher Kunst feststellen lässt.

Mit den beiden 1937 parallel in München gezeigten Ausstellungen Entartete Kunst und Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst schien die heftig diskutierte und lang umstrittene Frage um die Bewertung der Moderne eindeutig und unmissverständlich geklärt. Da spätestens ab diesem Zeitpunkt die in Abgrenzung zum offiziellen Kunstgeschmack der nationalsozialistischen Bewegung als "entartet" stigmatisierte moderne Kunst der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt war, erschien die Frage naheliegend, ob und gegebenenfalls in welcher Form sich dies auf die Darstellung Bildender Kunst und Künstler im Kulturfilm ausgewirkt hat. Markieren die Ausstellungen des Jahres 1937 auch einen Wendepunkt bei der inhaltlichen und formalen Gestaltung von Kulturfilmen aus dem Bereich der Bildenden Kunst?

Während die Filme über Bauprojekte bereits 1934 überwiegend propagandistische Tendenzen aufweisen, lässt sich eine ähnliche Entwicklung in Kulturfilmen über Bildende Künstler bzw. deutsche Dome erst mit Kriegsausbruch und verstärkt mit der Einrichtung der Deutschen Kulturfilm-Zentrale im April des Jahres 1940 beobachten. Es spiegeln sich in den Filmen über Bauprojekte Tendenzen innerhalb des Kulturfilms wider, die sich in ganz ähnlicher Weise in Filmen über kulturpolitische Maßnahmen, wie die Grundsteinlegung für das Haus der Deutschen Kunst oder die Großen Deutschen Kunstausstellungen in München feststellen lassen. Der Vergleich verschiedener NS-Propagandafilme hat gezeigt, dass man bei der Instrumentalisierung von Bildender Kunst formal zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Vorgehensweisen unterscheiden muss: Einerseits werden in Filmen über die Leistungsfähigkeit und politische Stabilität des NS-Regimes Beispiele sogenannter "entarteter" Kunst als Beleg für den angeblich kulturellen und politischen Zerfall in den Jahren der Weimarer Republik missbraucht. Andererseits wird "nordisch-germanische" Kunst in Kulturfilmen über Städte und Regionen im Osten als Beweis für deren germanische Besiedlung eingesetzt. Graduelle und zeitliche Unterschiede bei der ideologischen Indoktrinierung der im Rahmen der Arbeit untersuchten Filme lassen sich auf verschiedene Ursachen zurückführen.

Bei den Filmen über Bildende Künstler oder gotische Dome handelt es sich ausschließlich um freie Produktionen, die noch bis Anfang der 40er Jahre ohne Auflagen produziert werden konnten. Bei Filmen über Bauprojekte, kulturpolitische Maßnahmen bzw. gar bei Propagandafilmen handelt es sich hingegen um Auftragsproduktionen der Propagandaleitung, der NSDAP oder ihr nahestehender Organisationen; eine stärkere ideologische Indoktrinierung dieser Filme war demnach schon durch den Auftraggeber selbst vorgegeben.

Das pauschale Urteil mehrerer Medienwissenschaftler, dass der deutsche Film der Jahre 1933 bis 1945 generell und damit eben auch der Kulturfilm insgesamt propagandistisch gewesen sei, lässt sich daher nicht bestätigen. Wie sich im Verlauf der Arbeit gezeigt hat, muss hier analog zur Entwicklung im Filmbereich nach 1933 differenziert werden. Es setzte mit der Verstaatlichung der Ufa 1937 zwar ein Prozess ein, der im Verlauf von nur wenigen Jahren zu einer Konzentration innerhalb der deutschen Filmwirtschaft auf wenige Produktionsfirmen führen sollte. Eine Vielzahl der Kulturfilme waren aber vordergründig zunächst eher unpolitisch. Während eine zunehmende Verstaatlichung der Spielfilmproduktion im Zuge dieser Gleichschaltung der deutschen Filmwirtschaft schon vor 1940 beobachtet werden kann, blieb der Kulturfilm zumindest bis 1940 von dieser Entwicklung noch weitgehend verschont.

Es setzte aber dann Ende der 30er Jahre ein zunehmender Verdrängungswettbewerb der Kulturfilmproduzenten auf dem deutschen Filmmarkt ein und nach 1940 wurden auch Kulturfilme, überwiegend in Form von staatlichen Auftragsproduktionen, von den großen Filmkonzernen produziert. Mittlere und kleinere Produktionsfirmen wurden dabei zunehmend vom Markt verdrängt und konnten nur noch in Abhängigkeit der staatlichen Unternehmen existieren. Mit der Einrichtung der Deutschen Kulturfilm-Zentrale im April des Jahres 1940 wurde diese Entwicklung noch verschärft, da die Produktion von Kulturfilmen ab diesem Zeitpunkt nur noch in einem engen Rahmen möglich war.

Die Funktion der Filmzensur wurde damit untergraben und überflüssig, da eine Reglementierung und Lenkung geplanter Produktionen bereits im Vorfeld vor Drehbeginn stattfand. Die für den Spielfilm längst gängige Praxis einer indirekten Steuerung von Produktionen wurde damit auch für den Kulturfilm gesetzlich verankerte Realität. Es war mit der Deutschen Kulturfilm-Zentrale eine staatliche Kontrollinstanz eingerichtet worden, die die Entstehung eines Kulturfilms vom Exposé über das Drehbuch bis zum fertigen Film vollständig überwachte und permanent kontrollierte. Es hat sich daher die Vermutung bestätigt, dass sich mit dem Jahr 1940 auch im Bereich des Kulturfilms ein deutlicher Bruch in inhaltlicher und formaler Hinsicht vollzog und eine zunehmende Indoktrinierung des Kulturfilms mit ideologischen Inhalten zur Folge hatte.

 

Rund um den Dokumentarfilm
Branchentreff Dokumentarfilm
Dokumentarfilm Meilensteine
Dokumentarfilm Archiv
Dokumentarfilm Sendeplätze
tr

 

 Zur Such-Hilfe
 
tr tr tr tr tr tr
tr © HAUS DES DOKUMENTARFILMS 2009   Impressum  |  English version             Dokumentarfilm
tr tr tr tr tr tr