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Robin Curtis: Technologien des Selbst: die Implikation der Filmemacherin als Körper und Stimme.

1. Einführende Einwände zum Programmtitel: Autobiographische Ansätze in Dokumentarfilmen von Frauen in den 70er und 80er Jahren in der Bundesrepublik
Meine Forschungsinteressen am Thema Autobiographie und Film gehen weiter als der heutigen Rahmen es mir erlauben wird zu erläutern. Trotzdem halte ich es für notwendig, die im Programmtitel erwähnten Begriffe, die vielleicht selbstverständlich zu sein scheinen, etwas präziser zu bestimmen, um die Probleme und Möglichkeiten einer solchen Fragestellung wenigstens anzudeuten. Der Titel lautet Autobiographische Ansätze in Dokumentarfilmen von Frauen in den 70er und 80er Jahren in der Bundesrepublik und ich muß mich kurz zu fast allen Begriffen äußern: Autobiographie, Dokumentarfilm, Frauen, 70er und 80er und Bundesrepublik.

1.1. Autobiographie
Der Gebrauch des Begriffes der Autobiographie im filmischen Bereich ist nicht unproblematisch und im Fall meiner Forschung vielleicht auch irreführend. Mich interessiert nicht ein Vergleich zwischen dem Lebenslauf einer Filmemacherin und den Inhalten eines Films, oder die Motive der Filmemacherin, die eine solche Arbeit hervorgerufen hat. Vielmehr interessiere ich mich für die spezifischen ästhetischen Bedingungen, die es ermöglichen, daß eine Filmemacherin als historisches Subjekt (d.h. als verletzlicher Körper) im Film anwesend ist. Wie macht sich dieses ‘Subjekt’ filmisch bemerkbar; und wie wird die Rezeption eines Films durch diese ‘Anwesenheit’ geprägt?

1.2. Dokumentarfilm
Obwohl die Tatsache, daß ich mich hier in einer Veranstaltung des Hauses des Dokumentarfilms befinde, es vielleicht nahelegt, daß ich die Frage des historischen Körpers primär als Inszenierung des Authentischen begreife, ist dies nicht der Fall. Mir geht es in meiner Dissertation (aber heute zeitlich notgedrungen weniger) eher darum, Verbindungen zwischen dem spezifischen kulturellen und historischen Kontext, in dem der jeweilige Film entstanden ist, und den ästhetischen Merkmalen jenes Films zu untersuchen, um den Einfluß des historischen Subjekts als Stimme oder Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt festzuhalten. Ferner gehören nicht nur Dokumentarfilme sondern auch Essay-, Experimental- bzw. Avantgardefilme und auch in wenigen Fällen Spielfilme zu den in Frage kommenden Filmen; Der subjektive Faktor ist z.B. der Ausgangspunkt meiner Überlegungen heute.

1.3. 70er und 80er Jahre
Statt mit den 70er und 80er Jahren werde ich mich viel mehr mit den 80ern und 90ern befassen. Der Film Tue Recht und Scheue Niemand von Jutta Brückner hätte hier eine Rolle spielen sollen, war aber nicht rechtzeitig zugänglich. Helke Sanders Der subjektive Faktor wird als Anfangspunkt meiner Diskussionen dienen, und ist auch als solcher geeignet, denn ich will nicht argumentieren, daß eine deutliche teleologische Entwicklung in diesen Jahren stattgefunden hat, die von naiver Referenz zu reflektierter Diskursivität führt, sondern daß thematische Beschäftigungen und ästhetische Umsetzungen sich gewandelt haben. Ferner reicht meine weitere Forschung bis hin zu den Filmen Großstadtzigeuner von Laszló Moholy-Nagy und Wanderung München – Berlin von Oskar Fischinger, um die These zu bestreiten, daß die Untersuchung von Subjektivität und den Bedingungen der körperlichen Existenz als gegenwärtiges Modethema aus Amerika importiert wurde. Ich möchte durchaus der kulturellen Spezifik in der Umsetzung dieses Topos (jedoch jeweils auch historisch geprägt) nachgehen.

1.4. Frauen
Wie aber die beiden letzten Beispiele auch belegen, wäre ich vorsichtig damit, die Beschäftigung mit Autobiographie als „Frauenthema“ einzugrenzen. Vielmehr lautet die relevante Frage: welche Erscheinungsform nimmt sie zu welchen Zeitpunkt an?

1.5. Die Bundesrepublik
Noch weniger aber möchte ich die Filme der DDR aus dieser Fragestellung ausschliessen. Hier wäre z.B. der Film Tango Traum von Helke Misselwitz (1985) oder verriegelte Zeit von Sybille Schönemann einzubeziehen. Und hier wären die Fragen aufzuwerfen: Inwiefern war z.B. im DEFA-Film die Anwesenheit des Filmemachers zulässig? Und wieder: unter welchen Bedingungen und in welcher Form?

1.6. Filmische Beispiele
Auf folgende Filme werde ich mich heute in kurzer Form beziehen (und in der Regel auch Ausschnitte zeigen), um das Spektrum der Paradigmen anzureißen, die durch die Beschäftigung mit Subjektivität und physischer Präsenz eingesetzt wurden: Der Subjektive Faktor (Helke Sander, 1981), ... wie nächtliche Schatten (Claudia v. Alemann, 1991), Mein Vater Hermann S. (Helma Sanders Brahms, ), Der Fater (Noll Brinckmann, ), Baby I will make you Sweat (Birgit Hein, 1994), Deutschland und das Ich (Hito Steyerl, 1994), Passing Drama (Angela Melitopoulos, 1999).

Folgende Fragen sind hier von Belang: Welche Rolle spielt das Autobiographische in dem jeweiligen Film bzw. welche Logik hat dieser Hinweis im Kontext der historischen Welt? Wie wird sie filmisch umgesetzt und in Verbindung mit welcher thematischen Beschäftigung?

2. Spielfilm und Autobiographie
Trotz der Tatsache, daß autobiographische Tendenzen im ‘Frauenfilm’ der 70er und 80er Jahre in der Bundesrepublik zu den meist erforschten Themen in der akademischen Auseinandersetzung mit der deutschen Filmgeschichte gehören, ist die Anwendung des literarischen Begriffs der Autobiographie auf den Film nicht unproblematisch. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß sie in den so zahlreichen amerikanischen (meist von Germanisten verfaßten) Behandlungen des bundesrepublikanischen ‘Frauenfilms’ selten hinterfragt wird. Die dort diskutierten Filme werden in der Regel ohne weiteres in Zusammenhang mit der autobiographischen Welle in der Germanistik behandelt (Texte wie Susan E. Linvilles Feminism, Film, Fascism. Women’s Auto/Biographical Film in Postwar Germany, Barbara Kostas Recasting Autobiography. Women’s Counterfictions in Contemporary German Literature and Film und Politics of the Self: Feminism and the Postmodern in West German Literature and Film von Richard W. McCormick wären hier zu nennen.) , ohne daß einerseits die filmspezifischen Herausforderungen, aber auch andererseits die unbestreitbaren Wirkungen des autobiographischen Projekts im Film Ausdruck finden. Letzten Endes werden die Filme stattdessen (in impliziter Anlehnung an der Tradition Diltheys) als historische Quellen begriffen, um die Wechselwirkungen zwischen Geschichte (bzw. Geschichtsschreibung) und einem (meist unhinterfragten) Begriff privater Erfahrung zu erleuchten.

Doch mit implizitem Bezug auf die Eigenschaften des fiktionalen Films hat schon 1980 Elizabeth Bruss kategorisch behauptet, daß es kein filmisches Äquivalent für die Autobiographie gäbe, weil das erzählende Subjekt mit dem Subjekt des Satzes nicht übereinstimmt. Ein kollektiv produzierter Spielfilm, der in der Regel auch noch mit Schauspielern besetzt wird, läßt sich nur schlecht als Produkt eines einzigen icherzählenden Bewußtseins konzipieren. Ferner, sollte man die Kameraperspektive als Ersatz für die Wahrnehmung der Autorin verstehen, müßte man sich als Autor für die Sichtbarkeit (vertreten durch eine Figur im Film) oder für eine unsichtbare Präsenz (hinter der Kamera) entscheiden, aber beide zugleich sind unmöglich. Bruss schreibt: „Die Einheit von Subjektivität und Stoff – die implizierte Identität von Autor, Erzähler und Hauptfigur, worauf die klassische Autobiographie sich stützt, scheinen im Film nicht gegeben zu sein; das autobiographische Selbst verfällt, wird in zwei sich beinah ausschließende Elemente zerlegt: die Person, die gefilmt wird (vollkommen sichtbar, gefilmt und projiziert) und die Person, die filmt (vollkommen versteckt, hinter dem Kamera-Auge).“ (Bruss, 297) [The unity of subjectivity and subject matter – the implied identity of author, narrator, and protagonist on which classical autobiography depends – seems to be shattered by film; the autobiographical self decomposes, schisms, into almost mutually exclusive elements of the person filmed (entirely visible; recorded and projected) and the person filming (entirely hidden, behind the camera eye).] Die im literarischen Bereich begriffsbestimmende Übereinstimmung von erzählender Instanz und Autorin ist im Spielfilm nicht ohne weiteres zu gewährleisten. Wie macht sich diese erzählende Instanz im Film überhaupt bemerkbar: anhand einer Identifikation mit der Hauptfigur, der auktorialen Stimme aus dem Off, oder der Kamera?

Außerdem: Sollte die Existenz eines solchen Textes als autobiographische Äußerung plausibel gemacht werden, wäre es an sich notwendig, wie Noll Brinckmann in ihrem Text Ichfilm und Ichroman bemerkt, daß die Hauptfigur des Films Filmemacherin sei: „Will die filmische Icherzählung konsequent und analog zum Ichroman verfahren, so muß der Erzähler ein Filmemacher sein – und zwar möglichst ein unabhängig produzierender Einzelgänger, der alle filmischen Funktionen im Alleingang bewältigt.“ (Brinckmann, 89) Deshalb stellt Brinckmann fest, daß der einzige gelungene Ichfilm ihrer Meinung nach die im Stil des cinéma verité gedrehte Persiflage David Holzman’s Diary von James McBride (1967) sei, der einen Schauspieler als egozentrischen unabhängigen Filmemacher einsetzt, seine Kamera auf sich selbst richtend, in dem Versuch, seinen Alltag festzuhalten. Hier geht Brinckmann implizit von der Rezeption als bestimmender Faktor aus und läßt sich damit mit Philippe Lejeunes Begriff des autobiographischen Pakts vergleichen, der nicht voraussetzt, daß der Leser etwas über den Lebenslauf des Autors weiß, um die Wahrheit des Textes zu kontrollieren, sondern daß der Eigenname des Autors auf der Titelseite als Garant fungiert, für die Glaubwürdigkeit, die der wesentlichste Bestandteil einer Autobiographie ist. Doch während Lejeune nicht davon ausgeht, daß eine Autobiographie sich immer als solche explizit im Titel benennt, ist es zwingend, daß diese Tatsache auf irgendeiner Ebene des Texts zu erkennen ist, sei es auch mittels inhaltlicher Hinweise. „Falls die Autobiographie also durch etwas definiert wird, was außerhalb des Textes liegt, so nicht durch ein Davor, durch eine unüberprüfbare Ähnlichkeit, sondern ein Danach, durch die von ihr hervorgerufene Leseweise und die von ihr geweckte Glaubwürdigkeit, die sich wieder am literaturwissenschaftlichen Text ablesen läßt.“ (Lejeune, 51)

Doch im Fall von David Holzman’s Diary ist es von wesentlicher Bedeutung, daß der fiktionale Status dieses Films im Nachspann offenbart wird, daß der Rezipient entdecken kann, daß der Film doch keine genuine Autobiographie ist, sondern ganz und gar erfundene Fiktion. Bei Lejeune wäre er deshalb aus dem „autobiographischen Pakt“ zwischen Leser und Text auszuschließen, der versichert, daß das historische Subjekt, dessen Name als Autor auf der Titelseite steht, sich bemüht hat, möglichst präzise Auskunft über sein Leben zu vermitteln. Wichtig zu betonen ist, daß dies nicht allein eine Unterscheidung zwischen Fiktion und Dokumentation impliziert, sondern auf die Feststellung einer referentiellen Absicht durch den Leser bei der Rezeption hindeutet.

3. Nichtfiktionaler Film und Autobiographie
Im nichtfiktionalen Bereich wäre die Verkopplung von Autobiographie und filmischem Erzählen nicht weniger zu hinterfragen. In dieser Hinsicht geht Brinckmann viel weiter als Bruss in ihrer Problematisierung der Anwendung dieses Begriffs auf den Film, indem sie auch folgende Fragen formuliert:

1. Wie löst man das Problem der mangelnden Verfügbarkeit von existierenden Vergangenem und privatem Material?;
2. Man kann anhand von Bildern (ohne Text) nicht ohne weiteres erkennen, ob sie Selbstbilder sind;
3. Es ist nicht möglich ohne weitere Hinweise zwischen einer subjektiven und einer objektiven Sichtweise zu unterscheiden;
4. Entweder ist die erzählende Instanz selbst sichtbar oder mit der Kamera identisch;
5. In der Regel ist man auf den Einsatz einer Stimme aus dem Off angewiesen, um Bilder als subjektive Bilder zu identifizieren.

Diese formalen Probleme werden durch die vermeintliche Referentialität bzw. Authentizität des nichtfiktionalen Films nicht getilgt. Die schon erwähnten Einwände bestehen, obwohl es hier wie im Experimental- bzw. Avantgardefilm denkbar ist, daß der Film in einem Kontext geschaffen wurde, in der die Filmemacherin maximale Kontrolle ausüben konnte. Mir ist aber nicht klar, daß diese Frage für eine Untersuchung der Ästhetik des Selbst im nichtfiktionalen Bereich von Belang ist. Denn wenn man sich nicht an Brinckmanns deduktive Verfahrensweise hält, die den „Ichfilm“ anhand des Ichromans als Vorbild definiert, sondern sich induktiv fragt, wie und wieso Filme auf die Referentialität im Zusammenhang mit einer in der historischen Welt existierenden Autorin bestehen, kommt man auf ein breiteres Spektrum von Filmen – und Thesen zur Struktur und Wirkung solcher Filme im deutschen Kontext.

4. Referenz
Mein Bezug auf die Referentialität ist jedoch kein Hinweis auf eine Ablehnung poststrukturalistischer Erkenntnisse; vielmehr deutet sie auf das wachsende Interesse in der Autobiographieforschung seit ungefähr 10 Jahren, die Relevanz des Körpers und der historischen Welt zu bedenken. In der Tat hat die Kritik der Referentialität in der Autobiographie seitens mancher Poststrukturalisten (z. B. Paul de Man unter anderen) eine äußerst produktive Phase in der Forschung hervorgebracht: Was passiert mit dem Gebilde aus den einzelnen Begriffen – autos / bios / graphe – wenn die Integrität des Selbst und die Verfügbarkeit der Vergangenheit mittels des Gedächtnisses nicht gegeben sind? Das, was ehemals ein retrospektives Werk war, das Ordnung in der erinnerten und schriftlich vermittelbaren Erfahrungen eines gesamten Lebens schafft und dabei als Dokument des historischen Kontextes gegolten hat, wird zum Paradebeispiel der Produktion von Selbst und Vergangenheit, aus der (à la Foucault) die Bedingungen dieser Produktion in einem spezifischen kulturellen und historischen Kontext gelesen werden können – dessen ontologischer Status weiterhin umstritten bleibt. In diesem Zusammenhang ist die Erscheinung von Texten wie Roland Barthes par Roland Barthes oder auch seine dunkle Kammer auffällig, die trotz des Bekenntnisses zum Poststrukturalismus doch auf eine empfundene Notwendigkeit deuten, die Bedeutung des Gefangenseins des Körpers im Gewebe der Zeit zu erfassen und zu vermitteln.

Diese paradox erscheinende Vermischung von Diskursivität und Referenz muß aber kein Widerspruch sein, denn nach Paul John Eakins Werk von 1992, Touching the World. Reference in Autobiography, wird Erfahrung auch als kulturell und historisch vermittelt verstanden: „Was neu ist, ist die gegenwärtige Betonung von textlicher Konstruktion, ein lebendigerer Sinn für die Art und Weise, wie Erfahrung durch Sprache vermittelt wird, und damit ist das, was am deutlichsten in der Autobiographie dargestellt wird, nicht die Erfahrung selbst, sondern die Codes und Kodierungen ihrer Repräsentation.“ (Eakin, 10) [What is new is the current emphasis on textual construction, a livelier sense of how experience is mediated through language such that what is most obviously represented in autobiography is not experience itself but the codes for its representation ...] In diesem Werk bietet Eakin eine Untersuchung der Dimensionen der Welt, auf die sich Autobiographien gewöhnlich beziehen:

1. das Biographische;
2. das Soziale und Kulturelle und
3. das Historische und stellt z. B. im letzten Fall die Frage „was heißt es, innerhalb der Geschichte zu leben“.

Ähnlich formuliert Janet Varner Gunn diese Problematik, die sich aber in ihrem Fall auf visuelle Darstellungen bezieht und damit für unsere Zwecke passender ist: „das autobiographische Selbst kommt immer irgendwo her ... Photos in Autobiographien zeigen dem Leser dieses Irgendwo: ein Ort, eine Zeit, ein Körper.” (in: Rugg, 16) [the autobiographical self always comes from somewhere ... Photographs in autobiographies show the reader that somewhere: a place, a time, a body.] Filme sind natürlich – wie Photos – in der Lage, auf das Verortetsein eines historischen Körpers hinzuweisen, ohne gleichzeitig auf einem einheitlichen Subjektbegriff zu beharren. Der Prozeß dieser Verwandlung von Erfahrung in lesbaren Text kann man als Übersetzungsarbeit begreifen: Die Übersetzung, die dem Prozeß des Schreibens (bzw. Verfilmens) implizit ist, wurde von Joan Scott in ihrer kritischen Abhandlung von „Experience“ [oder Erfahrung] wie folgt formuliert: „Das Sehen ist der Ursprung des Wissens. Das Schreiben ist Reproduktion, Vermittlung – die Kommunikation von Wissen, das visueller und körperlicher [visceral] Erfahrung entstammt.“ (Scott, 58) [Seeing is the origin of knowing. Writing is reproduction, transmission – the communication of knowledge gained through (visual, visceral) experience.] Erfahrung ist selbst als interpretatives Verfahren zu verstehen, das wiederum interpretiert werden muß, um vermittelt zu werden; gleichzeitig gilt das Sehen als ursprüngliche Aktivität in der interpretativen Kette. In der filmischen Übersetzung autobiographischer Erfahrung ist das historische und kulturelle Umfeld des Erzählens genau so entscheidend wie die erzählerische Logik des Films. Die zu stellenden Fragen sind folgende: Wie konstruiert der jeweilige Film das autobiographische (bzw. historische) Selbst im Film trotz aller durch das Medium bedingten Schwierigkeiten?; Wie konstruiert er die Welt um dieses Selbst?; Wie wird er kulturell und historisch verortet?

5. Der subjektive Faktor
Der subjektive Faktor von Helke Sander aus dem Jahr 1981 kann als Paradebeispiel und Unikum zugleich gesehen werden – vielleicht sogar in gewisser Weise als deutsches Pendant zu David Holzman’s Diary. Die allgemeine Neigung in autobiographischen Filmen, visuelle und schriftliche Diskurse der Geschichtsschreibung zu verarbeiten und zur Schau zu stellen, wird hier exemplarisch anhand der Geschichte der Fragmentarisierung der Studentenbewegung in den späten 60er und frühen 70er Jahren umgesetzt. Oft wird aber auch bemerkt, daß die Ereignisse um die Hauptfigur des Films, Anni, gespielt von Angelika Rommel, große Ähnlichkeit mit der Geschichte Helke Sanders besitzen; die Dramatisierung dieser Geschichte erlaubt eine Bebilderung von Ereignissen, wofür es im Leben Sanders keine Bilder gibt (Auf die einseitige Berichterstattung der SDS-Ereignisse geht "Der subjektive Faktor" allerdings ein, indem auf die fehlenden Bilder der historischen Rede von Helke Sander beharrt wird. Weil die Kameras ausgeschaltet wurden, als die Frau sprach, gibt es nur Tonbänder dieser Rede, worauf im Film explizit eingegangen wird.), doch mein Interesse gilt eher der Frage, warum Helke Sander selbst überhaupt in diesem Film vorhanden ist, sowohl als Stimme wie auch im Bild. Es ist kein Geheimnis gewesen, daß Helke Sander und Hildegard Westbeld als historische Personen in Der subjektiven Faktor auftreten, denn dies wurde häufig in den damaligen Filmkritiken erwähnt, obwohl diese eigenartige Vermischung fiktionaler Figuren und historischer Personen in Berlin in den Kritiken nicht weiter ästhetisch gedeutet wurde.

Von Kaja Silverman gibt es aber eine ausführliche Analyse dieses Films, die sich mit der Strategie der Verhandlung verschiedener historischer Diskurse und verschiedener filmischer Topoi auseinandersetzt, um die These zu vertreten, daß der Film auf vorhandene diskursive Grenzen und ihre Mechanismen deutet. Sie schreibt: „Die Organisation des Materials in Der subjektive Faktor kann als kommunal beschrieben werden – als ein wirksames Mittel private wie öffentliche Ereignissen einzubinden, Alltag und die Geschichte, das Poetische und das Didaktische, Dissonanz und Melodie ... Doch die bemerkenswerteste Verbindung ist die zwischen dem Dokumentarfilm und dem fiktionalen Film.“ (Silverman, Discourse, 13) [The organization of Der subjektive Faktor can best be described as communal – as capable of accomodating private as well as public events, everyday life as well as history, the poetic as well as the didactic, dissonance as well as melody ... However the most remarkable alliance is the one it forges between the documentary and the fiction film.] Beispielsweise werden Nachrichtenbilder mit dramatischen Teilen des Films verbunden – doch dies ist damals kein so ungewöhnlicher Vorgang im fiktionalen Bereich gewesen. Doch welche Rolle spielen die Stimme und der Körper Helke Sanders hier?

#Filmausschnitt: Kommentar von Helke Sander; Friedhofsszene#

In ihrem Buch zur weiblichen Stimme im Film, The Acoustic Mirror behauptet Silverman, daß die Stimme im Film generell mit einer symbolischen Kraft verbunden ist, die eine Nähe zur erzählenden Person impliziert: „die westliche Metaphysik hat die Illusion gepflegt, daß das Sprechen das innere Wesen des Sprechenden auszudrücken vermag, daß es ‘Teil’ von ihm oder von ihr sei. Die Stimme lokalisiert das Subjekt des Sprechens im selben ontologischen Raum wie der des sprechenden Subjekts, so daß Ersteres ein Produkt Letzteren zu sein scheint. Die Fiktion der Authentizität des cinematographischen Tons fördert den Glauben nicht nur an die Anwesenheit sondern auch an Selbsterkenntnis. (Silverman, 1988, 43) [Western metaphysics has fostered the illusion that speech is able to express the speaker’s inner essence, that it is ‘part’ of him or her. It locates the subject of speech in the same ontological space as the speaking subject so that the former seems a natural outgrowth of the latter. The fiction of the authenticity of cinematic sounds thus promotes belief not only in presence but in self-presence.] Silverman argumentiert trotz des 1968 ausgesprochenen Tods des Autors für die Möglichkeit einer auktorialen Präsenz im Film, der als Ausdruck „einer ordnenden Sammlung von Sehnsüchten“ verstanden wird. (Silverman, Acoustic, 197) Der Einsatz einer Stimme aus dem Off ist eine von zwei Methoden, die von Silverman genannt werden, die es ermöglichen, daß die Autorin sich in ihrem Film präsent machen kann; der Einsatz des Autors als ikonische Repräsentation im Film ist die andere Methode. In Der subjektive Faktor ist Helke Sander auf beide Weisen präsent. Dies darf nicht als Plädoyer für die tatsächliche Existenz eines Autors trotz Barthes und Foucault verstanden werden, sondern für die Notwendigkeit eines theoretischen Raums, in dem sich weibliche Subjektivität bemerkbar macht, wenn auch als Konstrukt.

Im Fall von Der subjektive Faktor identifiziert Silverman die auktoriale Stimme als Lokus der Vermittlung zwischen dokumentarischen und fiktiven Topoi, und damit auch zwischen den verschiedenen öffentlichen und privaten Bereichen des Lebens einerseits aber auch zwischen den verschiedenen Subjektpositionen und Versionen der Geschichte andererseits, um die Behauptung einer Objektivität, die in irgendeiner Instanz im Text verortet werden kann, zu entkräften. Doch gleichzeitig argumentiert Silverman, daß die Frau im Film – und daher auch ihre Stimme – als Symptom verstanden werden muß, als notwendiges Konstrukt einer patriarchalen Kultur, die allerdings „eingraviert ist, nicht nur auf Zelluloid und auf die Oberfläche des Imaginären des männlichen Subjekts, aber auch in die psychischen, materiellen und sozialen Bedingungen des Alltags eines weiblichen Subjekts.“ (Silverman, 1988, 41) [woman is inscribed not only on celluloid and on the surfaces of the male subject’s imaginary register, but in the psychic, material, and social conditions of the female subject’s daily existence.] Sanders Stimme wird hier nicht als Beleg für unmittelbare Nähe zur Quelle der Geschichte bzw. der Handlung verstanden, sondern als Hinweis auf verschiedene temporale und räumliche Differenzen, die auch eine Rolle in der Dekonstruktion des Begriffs der Identität spielen.

Thomas Elsaesser referiert diese These Silvermans: „Während das Projekt des Films eine Überschreitung enunciativer Grenzen darstellt, um einen neuen Raum seitens des Referenten zu eröffnen (für den Feminismus innerhalb des Marxismus), die Grenzen, die vom Film nachgezeichnet werden, um die eigenen diskursiven Operationen zu sichern, sind auf die Übertragung von zeitlichen und räumlichen Unterschieden auf Personalpronomen ausgerichtet, die historische Veränderungen signifizieren.“ (Elsaesser, 111) [Thus, while the project of the film is, as Silverman points out, a crossing of enunciative boundaries in order to open up a new space on the side of the referent (for feminism within Marxism), the boundaries which the film establishes, in order to secure its own discursive functionings have to do with mapping onto the linguistic difference of personal pronouns the temporal and spatial differences which signify historical change.] Die Anwesenheit Helke Sanders in diesem Film deutet nicht auf die Sinnlichkeit des Körpers, sondern, wie Elsaesser es formuliert hat, auf die Ordnung „einer mit Sorgfalt gelayouteten Seite“ (Elsaesser, 106). Doch jede Beschäftigung mit Geschichte ist auch eine Begegnung mit den Prozessen und Implikationen des Gedächtnisses. Was ist aber hier aus den affektiven Inhalten einer solchen Erinnerung an die bewegten Jahre 1968- 1978 geworden? Der subjektive Faktor besteht auf Vergleiche zwischen diversen diskursiven Haltungen und die gleichzeitige Einschreibung und Dekonstruktion der Autorin; gibt aber keine Auskunft über die Emotionen und psychischen Auswirkungen, die mit diesem Prozeß verbunden sind. Ich argumentiere hier nicht für ein inhaltliches Melodram, sondern für affektives Spüren auf der formalen Ebene des Films – aber ich komme ja aus einer anderen Generation als Helke Sander. Meine These (vorläufig und vorsichtig ausgedrückt – die ich auch zur Diskussion stellen möchte) wäre folgende: die jüngeren Filmemacherinnen, die ich hier behandeln werde, zeigen in der Regel ein größeres Interesse an affektiven Implikationen von Prozessen der Erinnerung und Reflektion als die älteren.

6. ... wie nächtliche Schatten

#Filmausschnitt: bis zum Bahnhof #

In Claudia v. Alemanns 1991 entstandenem Film ... wie nächtliche Schatten umreißt sie die Rückkehr in ein Dorf und zu einem Landgut in Thüringen, das von ihrer Familie fluchtartig und unter traumatischen Bedingungen 1949 verlassen wurde. In Anlehnung an ein Zitat von Peter Weiss („die frühsten Bilder, die wir in uns tragen, und die im Traum immer noch nachwirken, umreißen den Standort dieser Augenblicke. Sie haben ihre Schärfe bewahrt. Sie zeigen überdeutlich die Sandkörner eines Wegs, die tief grünen Blätter eines Busches, die Steinblöcke und eisernen Ringe an einer Uferböschung, wo das Bewußtsein wachgerufen wird, daß das. was hier geschah, mir selbst geschah.“; zitiert aus: ...wie nächtliche Schatten) , verläßt sich der Film auf die Sichtbarkeit und Vermittelbarkeit von vergangenen Emotionen durch die Erzählung vergangener Ereignisse und die visuelle Präsentation entsprechender Orte. Der Film wird von der Stimme von Alemanns aus dem Off kommentiert, die die Bilder der ländlichen Gegend oder auch die Gespräche mit den damaligen Nachbarn und Spielkameraden einordnet und deutet – die mittlerweile selbst den Untergang der DDR zu verarbeiten haben. Dies wird angesprochen, aber weder mit der Geschichte der damaligen Flucht explizit verbunden, noch werden die heutigen Lebensstandards der Protagonisten aus dem Westen und aus dem Osten mit der Situation damals, vor dem Krieg, angesprochen. Interviews werden geführt, die meist mit Talking Head Einstellungen bebildert werden, wobei Claudia v. Alemann selbst in der Regel jenseits der Kadrierung bleibt. Sichtbar wird sie immer wieder in Aufnahmen, in denen sie eine Videokamera betätigt. Gegenschüsse dieser Aufnahmen aus der Perspektive der Videokamera bzw. von Alemanns folgen nur ab und zu. Doch Manchmal ist sie selbst auf diesen Videobildern zu sehen, d. h. sie werden nicht konsequent als Perspektive der Autorin eingesetzt. Detailaufnahmen der ihr bekannten großbürgerlichen Häuser werden mit Archivaufnahmen der Zeit unmittelbar nach dem Krieg vermischt: die Ankunft der Amerikaner in einem Dorf; die Ruinen von Dresden; Brücken, die zerbrochen in Flüssen liegen; Buchenwald: alles aus der Vogelperspektive. Diese Aufnahmen werden dann seltsamerweise mit Videoaufnahmen des Parkettbodens des großbürgerlichen Hauses verbunden, die für mich auf den ersten Blick wie Luftaufnahmen von Landwirtschaftlichen Feldern gewirkt haben, und damit in die Perspektive der Archivaufnahmen erlebt haben. Implizit wird hiermit die Perspektive der Autorin (durch das Videobild gekennzeichnet) mit der der öffentlichen Geschichte bzw. der des Archivs vereint, was einerseits die Autorität dieser öffentlichen Bilder als Quellen der authentischen Geschichte in Frage stellen könnte, wenn diese Thematik weiter aufgegriffen wäre, was nie geschieht. Mir liegt es deshalb näher, diese Verbindung zwischen der Perspektive v. Alemanns (im Video) und die der Archive als eine autoritätsgewinnende Strategie für die privaten Bilder zu verstehen.

#Filmausschnitt: Parkettboden; Archivmaterial #

Letztlich fehlt mir persönlich in diesem Film wieder Information zum Akt des Erinnerns; explizit wird von einem persönlichen, subjektiven Blick auf die Spuren der Vergangenheit ausgegangen. Doch diese Vergangenheit ist brisant: sowohl persönlich wie auch national, sowohl für die Autoren, wie für viele der Interviewten. Diese Brisanz findet keine formale Übersetzung, obwohl es explizit darum geht, wie von Alemanns Stimme vermittelt, Verdrängtes wieder wachzurufen. Während auf der Tonebene (in den Interviews) Unterschiede geglättet werden (zwischen damals und jetzt, Ost und West, Bediensteten und Gutsbesitzern) kommen sie wieder unfreiwillig auf der Bildebene zum Ausdruck – gerade durch die ordnende Präsenz der Filmemacherin. Interessant in diesem Fall wäre ein Vergleich dieser Darstellung einer Flüchtlingsgeschichte mit einer anderen: Passing Drama aus dem letzten Jahr, den ich später behandeln werde.

7. Mein Vater Hermann S. und Der Fater
In der literarischen Autobiographie in der Bundesrepublik fand Anfang der 80er Jahre eine Hinwendung zu einer Auseinandersetzung mit den Vätern statt, und genauer mit Vater-Tochter Beziehungen. Eine Ähnliche aber wesentlich kleinere Welle gab es im filmischen Bereich, wovon sowohl Helma Sanders-Brahms Mein Vater Hermann S. und Noll Brinckmanns Der Fater Zeugnis ablegen. Selbstverständlicherweise ist diese Art von Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte die brisanteste, und von daher eher eine seltenere Erscheinung im Filmbereich als sie es in schriftlicher Form war. Kann man es überhaupt ertragen, mit dem eigenen Vater Interviews zu solchen Themen führen, wenn die Diskussion über die Vergangenheit im privaten Kontexten wohl so oft problematisch war? Wie kann man angemessen mit den widersprüchlichen Gefühlen der familiären Loyalität und Liebe und Verpflichtung zur kritischen Haltung der deutschen Geschichte gegenüber umgehen? Ist es möglich, die persönliche Vergangenheit mit der öffentlichen angemessen zu vergleichen? Selbstverständlich, wie viele ausländische Filme es belegt haben – unter anderem die vielen Filme, die mittlereweile von den Kindern der Überlebenden der Shoah entstanden sind.

Helma Sanders-Brahms unternimmt eine Reise nach Frankreich mit ihrem Vater, Hermann, um die verschiedenen Orte zu besuchen, an denen er als deutscher Soldat in den ersten Kriegsjahren stationiert war (er war später in Rußland und Griechenland). Sowohl Tochter wie Vater sind in Bild und Ton präsent, während sie mit diversen Franzosen sprechen: z. B. mit dem französischen Wächter eines deutschen Soldatenfriedhofs; mit der Besitzerin eines Ladens, deren Mann früh im Krieg gefallen ist und die sich sogar noch an Hermann S. erinnert. Sowohl Vater wie Tochter können Französisch sprechen und verkünden ihre Liebe zu dieser Kultur. Doch trotz des guten Willens, der in der Regel beiderseits in den Interviews verkündet wird, bleibt ein unangenehmes Gefühl. Der Film legt oft unfreiwillig Zeugnis eines fehlenden Feingefühls ab. So sind Vater und Tochter beispielsweise als einzige Deutsche Gäste auf einer Gedenkveranstaltung für die Toten des Dorfs anwesend und verhalten sich dabei, als wären sie Ehrengäste. Sanders-Brahms Kamera besteht auf eine Großaufnahme des tränenbedeckten Gesichts der Ladenbesitzerin am Grab ihres Mannes. Alle Franzosen, die im Film interviewt werden, sind höflich und kooperativ; sie sind so alt wie der Vater Sanders-Brahms und freuen sich zunächst darüber, die Vergangenheit mit einem Altersgenossen zu besprechen. Doch so einfach ist es nicht: die Oberfläche täuscht. Der Film erzählt unfreiwillig vor allem vom Selektionsprozeß in der Erinnerung, von den Schwierigkeiten, beim Interviewtwerden, sich unhöflich zu verhalten, auf Unangenehmes hinzuweisen oder sogar zu beharren; von der Schwierigkeit, überhaupt im alten Mann die Bedrohung, die dem jungen Mann als deutscher Soldat zwangsläufig anhaftete, wiederzuerkennen. Ferner, warum sind sie nur nach Frankreich gefahren? In Rußland z. B. wären die Erinnerungen sowohl vom Vater wie auch von den Altersgenossen sicherlich nicht so angenehm. Das Jetzt läßt das Damals nicht ohne weiteres sichtbar werden, kann es aber noch tiefer vergraben. Die relativ naive Struktur des Films läßt keine komplexen Verhältnisse zu: er endet mit der Information, daß Sanders-Brahms ihren Vater trotz des Wissens, daß er als deutscher Soldat tätig war, liebt, was vielleicht als Ausgangspunkt im Film hätte stehen müssen. Der Film stellt vor allem eine Scheu dar, sich mit diesen Fragen zu befassen, eine Scheu, die sich in der Struktur des Films sichtbar macht.

Dagegen ist der Film Der Fater von Noll Brinckmann eine komplexe und kritische Behandlung der Beziehung zwischen Erinnerung und dem, was in Bildern aufgehoben werden kann. Der Vater Brinckmanns war in den 20er und 30er Jahren wohlhabender Arzt mit einer erfolgreichen Praxis in China. Er unternahm in diesen Jahren viele Reisen in Asien und Afrika und machte bei diesen Reisen (und auch ab und an zuhause) Amateurfilme. Er ist in den 30er Jahren plötzlich an einer Tropenkrankheit gestorben. Die Filme des Vaters werden ohne Ton, unkommentiert gezeigt, abgesehen von einer Texttafel am Anfang des Films, die genau diese Auskunft zum Entstehungskontext der Bilder anbietet. Brinckmann selbst ist manchmal als kleines Kind in diesen Bildern zu sehen. Der Vater steht meist hinter der Kamera, aber manchmal auch sichtbar davor. Er verhält sich wie ein wohlhabender €päer dieser Zeit, zeigt eine Vorliebe für kolonial gefärbte Situationen: nackte Busen in Afrika, Wildjagd mit dürren Dienern in Asien usw. Deutlich wird, daß wir allein durch seine Selektion der Motive alles lernen, was wir über ihn erfahren können. Es bleiben nur diese Bilder, nur seine Perspektive der Welt. In der Entscheidung, diese Bilder unkommentiert laufen zu lassen, ist die Filmemacherin selbst präsent, so paradox wie dies vielleicht wirken mag. Damit wird ihre Haltung zu diesen auskunftsarmen Zeugnissen der Existenz ihres Vaters vermittelt. Mehr ist nicht übrig geblieben; das, was vorhanden ist, ist aber trotzdem eine wichtige Quelle vielerlei Informationen, die aber aktive Mitarbeit des Rezipienten verlangen. Die Autorenschaft wird explizit mit dem filmischen Dispositiv vereint und wird in seiner kulturellen und historischen Bedingtheit zur Schau gestellt.

8. Baby I will make you Sweat
Bisher habe ich mich gar nicht mit der Frage der Geschlechtsspezifik dieser Filme befaßt: Der subjektive Faktor ist natürlich eine Inszenierung der spezifischen Probleme, die Frauen mit der Teilnahme an historischen Ereignissen und mit der Geschichtsschreibung haben; ... wie nächtliche Schatten ist bemüht, eine Welt ohne Männer zur Erscheinung zu bringen und historisch zu belegen; sowohl Der Fater wie Mein Vater Hermann S. sind auch mit einer bestimmten, vielleicht auch „töchterlichen,“ Art von Scheu und auch Ehrfurcht der Figur des Vaters gegenüber geprägt – im ersteren Fall, weil der Kontakt mit diesem Mann nur noch Mittels seiner imposanten Bilder einer anderen Welt stattfindet und im letzteren Fall, weil die Fragen und Situationen, die im Film hätten vorkommen müssen, auf das Dilemma einer ganzen Generation hindeuten.

Doch zunehmend läßt sich eine Spaltung des Subjektsbegriffs in autobiographischen Filmen von Frauen nachzeichnen: Die letzten drei filmischen Beispiele deuten auf ein wachsendes Interesse an den Auswirkungen verschiedener Aspekte eines komplexeren Begriffs von Identität, in der das Frausein nicht ohne weiteres in den Vordergrund gestellt wird.

Im Fall von Birgit Heins Baby I will Make you Sweat nimmt der Film die Problematik des alternden weiblichen Körpers in einer patriarchalen Gesellschaft auf, um anhand der Suche nach sexueller Erfüllung und Liebe eine besonders körperliche Art des autobiographischen Zeugnisses abzulegen. Mit einer Hi-8-Videokamera fährt Hein mehrmals nach Jamaika, um dort Affären mit verschiedenen einheimischen Männern nachzugehen, die sowohl gewissermaßen als emotionale Bindungen, als auch als finanzielle Transaktionen zu verstehen sind. Im Film werden die Bilder durch die Stimme Birgit Heins kommentiert, die die Geschichte der diversen Affären mittels ihrer Tagebuchaufzeichnungen erzählt. Die Videobilder von Landschaften, menschenleeren Straßen, Hunden und Raubvögeln und auch, seltener, von Hautflächen in Großaufnahme aneinander gelegt, wurden in der Postproduktion nachbearbeitet, verlangsamt, grobkörniger gemacht, die digitalen Bildern erinnern im Schwenk an die Qualität ihres Ursprungs als Pixel. Die Bilder sind oft genau so gut als Fläche wahrzunehmen wie als repräsentative. Gerade diese Qualität der Bilder ermöglicht und deutet auf eine ganz andere Art der Rezeption im Fall dieses Films. Baby legt eine Wendung von semiotischen Modellen der Rezeption hin zu einer phänomenologischen Rezeption nahe, die eine Identifikation mit der Bildoberfläche, eine Physikalität der Bilder sogar bewirken kann.

# Filmausschnitt: Spiegel / Landschaften #

Es ist kein Zufall, daß der Film diese Art von Bildern bevorzugt: Explizit thematisiert Birgit Hein in dieser Anfangspassage die Problematik einer fehlenden propriozeptiven Wahrnehmung: d. h. das Gefühl, bzw. das fehlende Gefühl, daß man sich im eigenen Körper befindet: Sie erzählt „seit Ewigkeit allein. Ewig keinen Sex. Mein Körper und ich passen nicht mehr zusammen. Das Altern ist wie eine Krankheit, die mich vom Leben isoliert.“ (Baby) In einem Text mit dem Titel „Is any Body Home? Embodied Imagination and Visible Evictions.“ untersucht Vivian Sobchack das Problem, was für Frauen mit besonders gravierender Häufigkeit auftritt: den eigenen Körper nur als sichtbare Oberfläche wahrzunehmen, was gleichzeitig das Gefühl, sich im eigenen Körper zu befinden, behindert. Sie schreibt: „So wird der Körper zum Gefängnis des semiotisch gekennzeichneten Fleisches, dessen kulturelle Darlegung der objektiv materiellen Substanz unserer subjektiven Existenz – d.h. die Hautfarbe, die Form unserer Augen, das Hängen von Brust oder Bauch, die Größe der Brüste oder des Penises, das Fehlen eines Beins – uns einschränkt, wie die Gefängnisgitter, die uns hindern, unsere ganze existentielle Möglichkeiten auszukosten.“ (Sobchack, 47) [This is the body experienced as a prison-house of semiotically-marked flesh whose cultural display of the objectively material substance of our subjective existence – pigmentation, the shape of our eyelids, the sag of a breast or belly, the size of breasts or penis, the lack of a leg – constrains us like so many iron bars that would keep us from the free play of our existential possibilities.] Baby I will make you Sweat erzählt vor allem vom Prozeß der Zurückgewinnung des Körpergefühls und gleichzeitig auch von einer Ablehnung von Sprache. Hein erzählt: „Ich habe jetzt wieder einen neuen Körper, einen goldenen, einen, der begehrlich angesehen wird. Hier spielt mein Alter keine Rolle.“

In ihrem Text plädiert Sobchack für eine Abkehr von der Betonung des Sehvermögens in unserer westlichen Kultur. Sie schreibt: „Wir erinnern uns daran, daß wir uns nicht vor unserem Körper befinden, und daß unsere Körper gelebt werden und auch auf bestimmte Weisen Bedeutung schaffen, die weit jenseits der bestimmten sinnstiftenden Fähigkeiten des Sehens herausragt. Dies ist in einer Kultur besonders wichtig, in der das Sehen unseren sinnlichen Zugang zur Welt dominiert und in der eine ausschließliche Betonung des Sehens und des Körpers als Bild – wie er aussieht vor uns selber und vor anderen – die weitergehenden Möglichkeiten überdeterminiert haben, wie unsere Körper in der Welt Sinn produzieren und aufnehmen. Die wachsende Wertschätzung des Sichtbaren in unserer Kultur hat zu einer großen Reduktion der sinnlichen Dichte der gelebten Erfahrung auf eine einzige (und wenn ich darf, seelenlose) Dimension geführt.“ (Sobchack, 48) [Reminding ourselves that we are not in front of our bodies and that our bodies are lived and make meaning in ways that far exceed the particular sense-making capacities of vision is especially important in a culture in which vision dominates our sensory access to the world and in which a discrete emphasis on visibility and on the body as image – what it looks like in front of others and ourselves – have greatly overdetermined the more expansive possibilities of how our bodies make sense in and of the world. Our culture’s increasing valorization of the visible has greatly reduced the sensual thickness of lived experience to a single and dare I say soulless dimension.] Diese filmtheoretische Haltung hat weitreichende Konsequenzen für eine Betrachtung des autobiographischen Projekts im Filmbereich. Inwieweit können solche Filme Köperlichkeit anhand von haptischen (tastsinnlichen) oder kinästhetischen (muskelbetonten, bewegungsorientierten) Reizen im Film vermitteln? Diese Frage interessiert mich besonders, weil sie sich auch in den Filmen der 20er Jahre nachzeichnen läßt. Im Fall von Heins Film läßt eine solche Haltung die Frage zu: wie kann der Wiedereinzug in den eigenen Körper filmisch dargestellt werden? Wie ist das Gefühl, sich im eigenen Körper zu befinden, fern von den spezifischen Zwängen der Körperdeutung, die in jeder Kultur vorhanden sind (und in Jamaika, füge ich hinzu, bloß anders als in der Bundesrepublik kodiert sind).

9. Deutschland und das Ich
Auf eine ganz andere Weise wird die Filmemacherin selbst im Film Deutschland und das Ich impliziert, einem Film, der sich essayistisch mit den Begriffen Identität und Nation und gar nicht mit Ereignissen im Leben der Regisseurin befaßt. In der Untersuchung dieser Termini verarbeitet Hito Steyerl, damals Studentin an der Hochschule für Fernsehen und Film München, Videoaufnahmen aus einem breiten Spektrum von Ereignissen: Diskussion zum Thema „Deutschland und das Ich“ an einer Volkshochschule; die etwas bedrohlichen Feierlichkeiten beim Oktoberfest zum Tag der deutschen Einheit 1990, Totenmasken aus dem Museum für Völkerkunde in München; begriffsklärende Gespräche mit der damaligen Philosophiestudentin Cora Frost.

# Filmausschnitt: Anfang bis zum Titel #

Anhand von Zitaten aus Musils Mann ohne Eigenschaften unterscheidet der Film zwischen Wunschbildern und Unwunschbildern: „So wie sie das Böse in Unwunschbilder verlegt, verlegt sie auch das Gute in Wunschbilder, die sie dafür verehrt, daß sie das tun, was sie in eigener Person und in ihrem Tun nicht finden.“ (Musil, zitiert in Deutschland und das Ich) Genau solche Unterscheidungen bzw. die Tendenzen zur ethnischen Ausgrenzung in den 90er Jahren, die in den Aussagen der Bevölkerung, in den Ritualen und Geschichten der Kultur auffindbar sind, werden hier nachgezeichnet – dies trotz der Tatsache, daß der Film gleichzeitig bemüht ist zu belegen, daß die Begriffe Identität und Nation sich philosophisch nicht untermauern lassen. Unter „Identitätsphilosophie“ wird „siehe deutscher Idealismus“ gefunden; unter „Ichfindung,“ „siehe Gruppe.“ Der Film ist aufgebaut wie ein Prozeß des Erforschens: man geht zur Volkshochschule, man geht ins Museum, man schaut in Lexika nach. Doch entscheidend in dieser Forschungsarbeit ist eine Einzelheit, die am Schluß des Films sichtbar gemacht wird.

# Filmausschnitt: Hito wird sichtbar #

Daß die Filmemacherin ein asiatisches Aussehen hat, asiatischer Herkunft ist, spielt keine kleine Rolle in diesem Film, um rückblickend eine neue Verarbeitung der verschiedenen verfilmten Ereignissen zu verlangen. Welchen Unterschied macht es, „unter Deutschen“ zu sein, sie beim Reden über sich und ihre Identitätsprobleme zu filmen, wenn man nicht eindeutig als „Deutsche“ visuell identifiziert wird? Die Situationen beim Oktoberfest z.B. erhalten eine neue Brisanz. In diesem Film werden Theorie und Praxis einander gegenübergestellt, um die Bedeutung des Körpers in einem bestimmten historischen und kulturellen Kontext nachzuzeichnen, die trotz fehlender theoretischer Untermauerung sehr wohl eine praktische Bedeutung hat.

10. Passing DRAMA
Das jüngste (und letzte) Werk, das ich heute behandeln möchte, ist 1999 als Abschlußarbeit an der Kölner Hochschule für Medien entstanden und stellt – ähnlich wie von Alemanns ... wie nächtliche Schatten – auch eine Art Bewältigung einer Fluchtsituation dar. Im Fall von Passing DRAMA von Angela Melitopoulos geht es aber entschieden nicht um eine lineare Rekonstruktion von Ereignissen, noch um eine ländliche Spurensuche. Vielmehr geht es um die mediale Übersetzung kognitiver Prozesse, vor allem aber um den Prozeß der Erinnerung an – und trotz – Traumata und die Auswirkungen dieses Prozesses: Verdrängung, Verschiebung, Verdichtung. Melitopoulos schreibt: „Das Vergessen von gestern hat sich längst mit dem Vergessen von vorgestern und dem Vergessen von heute verwebt.“ (Melitopoulos, 173) Es geht aber auch – und dies ist neu – um eine entsprechende Verlagerung, die in der Übersetzung ins digitale Bild impliziert ist.

Obwohl die Traumata, die die eigene Familiengeschichte prägen, hier thematisch im Vordergrund stehen, geht es genau so sehr um die historischen Ereignisse und Nachwirkungen eines gerade vergangenen Jahrhunderts, das von etlichen Flüchtlingswellen, beginnend mit dem Untergang der großen europäischen Imperien um den ersten Weltkrieg generell geprägt war, wie auch um die Art und Weise, wie diese (und alle) Geschichte gespeichert wird. Die griechische Stadt namens ‚Drama‘ aus der Melitopoulos‘ Vater stammt, ist eine Stadt, die von Flüchtlingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bevölkert wurde. Die Geschichte ihres Vaters wird mit den Geschichten anderer Generationen von Flüchtlingen (unter anderem der Großeltern) vermischt, die von den ersten Wellen der Deportationen durch die Türken 1923 betroffen waren, doch die Geschichte des Leids geht weiter, im Fall des Vaters über Wien und als Zwangsarbeiter ins KZ.

Doch diese Informationen werden nur sporadisch in diesem 66minutigen Video vermittelt; vielmehr ist das Werk mit der Bedeutung von Zeit im Erinnerungsprozeß und der medialen Vermittelbarkeit dieser Problematik beschäftigt. Ein schematisches Verhältnis zur Vergangenheit wird mittels der Geschwindigkeit der Bildübertragung etabliert: eine zeitliche Kompression und Dehnung der Bilder sollen verschiedene Zeitlichkeiten inszenieren und damit verschiedene Subjektpositionen andeuten. Bilder, die in Echtzeit sichtbar sind, stellen die Gegenwart dar, in halber Geschwindigkeit die Geschichte des Vaters, und das, was dokumentarisch ermittelt werden kann; die Verarbeitung durch „dynamic motion control“ stellt die Ebene des Hörensagens dar, das, wozu man als Kind oder Enkelkind keinen unmittelbareren Zugang mehr hat. Zu diesen vermischten aber miteinander nicht zu vereinbarenden Ebenen schreibt Melitopoulos selber: „Die Auflösung des Subjekts, die Auflösung der traditionellen oder territorialen Zeit, die an Ritus und Rolle gebunden ist – zu Gunsten der Vielschichtigkeit von parallel existierenden Zeitlichkeiten – weisen auf ein Zeitmodell hin, das nicht linear oder historisch geordnet ist, sondern in dem die Zeitlichkeit des Vergangenen unabhängig vom Subjekt als „pure“ Vergangenheit existiert. Subjektivierung ist nichts anderes als die aktive Synthese dieser verschiedenen Zeitlichkeiten, die dem Handlungsspielraum des Einzelnen entsprechen. [...] Das Gedächtnis der Väter im Plural bedeutet in meinem Projekt die Auflösung des Subjekts zwischen Archiven (der Siegermächte) und den nicht-vermittelbaren Erfahrung z. B. der Kriege.“ (Melitopoulos, 180)

# Filmausschnitt: Anfang – Pixel #

Die Prozesse der Verarbeitung von visueller und oraler Geschichte, Orte und Gesichter werden medial übersetzt, doch die eins-zu-eins (bzw. identifikatorische) Assimilation dieser Elemente wird letztendlich verweigert, indem die Bilder bis auf die digitalen Pixel reduziert werden. Gespeichert werden keine indexikalischen Belege, sondern binäre Informationen, die natürlich trotzdem Informationswert haben. Wie bei Maurice Halbwachs das Gedächtnis immer wieder rekonstruktiv in der Gegenwart, je nach gegenwärtigem Bedürfnis, zu begreifen ist, stellt Passing DRAMA die Prozesse der Vermittlung und Speicherung von Vergangenheit als radikal individuell und gegenwärtig synthetisch dar. Doch auch in diesem Prozeß, bzw. in der vorhandenen Struktur dieses Werks steckt ein Subjektbegriff.

Literatur
Brinckmann, Noll:
Ichfilm und Ichroman. Die anthropomorphe Kamera. Hrsg. Mariann Lewinsky und Alexandra Schneider.
Zürich: Chronos, 1998. 82-113

Bruss, Elizabeth:
Eye for I: Making and Unmaking Autobiography in Film.
In: autobiography: Essays Theoretical and Critical.
Ed. James Olney.
Princeton: Princeton University Press, 1980. 296-320.

Eakin, Paul. John:
Touching the World. Reference in Autobiography.
Princeton: Princeton University Press, 1992.

Elsaesser, Thomas:
It started with these Images – Some Notes on Political Filmmaking after Brecht
in Germany: Helke Sander and Harun Farocki. Discourse. 7 (Fall 1985) 95-120.

Halbwachs, Maurice:
Das kollektive Gedächtnis
Frankfurt a. M.: Fischer, 1991.

Kosta, Barbara:
Recasting Autobiography. Women’s Counterfictions in contemporary German Literature and Film.
Ithica: Cornell University Press, 1994.

Lejeune, Philippe:
Der autobiographische Pakt.
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1994.

Linville, Susan E.:
Feminism, Film, Fascism. Women’s Auto/biographical Film in Postwar Germany.
Austin: University of Texas Press, 1998.

McCormick, Richard W.:
Politics of the Self. Feminism and the Postmodern in West German Literature and Film.
Princeton: Princeton University Press, 1991.

Melitopoulos, Angela:
Timescapes. Lab. Jahrbuch 1996/7 für Künste und Apparate.
Hrsg. KHM Köln.
Köln: Verein der Freunde der Kunsthochschule Köln, 1997.

Rugg, Linda Haverty:
Picturing Ourselves. Photography & Autobiography.
Chicago: University of Chicago Press, 1997.

Scott, Joan W.:
„Experience“ Subjectivity, Identity and the Body. Women’s Autobiography Practices in the Twentieth Century.
Ed. Sidonie Smith.
Bloomington: Indiana University Press, 1993. (originally. Critical Inquiry 17 (Summer 1991): 773-97).

Silverman, Kaja:
Helke Sander and the Will to Change.
Discourse. 6 (Fall 1983). 10-30.

Silverman, Kaja:
The Acoustic Mirror. The Female Voice in Psychoanalysis and Cinema.
Bloomington: Indiana University Press, 1988.

Sobchak, Vivian:
“Is any body home?”: embodied imagination and visible evictions. Home, Exile, Homeland. Film, Media, and the Politics of Place.
Ed. Hamid Naficy. New York: Routledge, 1999. 45-62.

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